„Es wird mir fehlen, das Leben.“ Am Leben zu sein ist oft selbstverständlich, denn zu atmen muss mir niemand sagen. Trotzdem kommt es vor, dass sich Menschen (u. a. gegenseitig) zu atmen erinnern: wenn ihnen der Atem stockt, sie außer Atem bzw. atemlos sind oder es ihnen den Atem verschlägt.

In solchen und anderen Situationen wird das Leben alles andere als selbstverständlich: Es wird kostbar und seine Endlichkeit spürbar. In der Aussage „Es wird mir fehlen, das Leben“ äußert sich ein Bewusstsein für diese Kostbarkeit des Lebens angesichts seiner Bedrohung, seiner Vergänglichkeit; und zugleich klingen Sehnsucht und Wertschätzung des Lebens mit, denn wo das Ende menschlichen Lebens absehbar wird, gewinnt die verbleibende Zeit neuen Wert, wird als Kostbarkeit wahrgenommen und sehnsüchtig festzuhalten versucht.

Etwas von der Sehnsucht nach Leben schwingt in meinen Augen auf dem Bild mit, das ich als freud- und hoffnungsvoll wahrnehme – diese Freude hat ihre eigene Sprengkraft und scheint in der Lage zu sein, die dunkleren Facetten zu überstrahlen, zu überdecken. Zur Wertschätzung des Lebens passt besonders E. Willkomms Artikel über den Gedenkort alter Anstaltsfriedhof (s. unter „Aktuelles“): Dieser Gedenkort entstand für Menschen, die der Aktion T 4 zum Opfer fielen, weil sie aufgrund der menschenverachtenden Nazi-Ideologie als lebensunwert betrachtet wurden. Dieser Hintergrund und die derzeitigen Entwicklungen des Krieges in der Ukraine unterstreichen gerade angesichts der dunklen und schwierigen Dimensionen des Lebens seine Wertschätzung und Zerbrechlichkeit (s. dazu auch den Aufruf von Bischof Voigt zur Fürbitte um Frieden, auch unter „Aktuelles“).

Als Mittel zum Umgang mit Leiden und Tod, mit Schmerz und Ungerechtigkeit finden sich in der christlichen Tradition verschiedene Optionen: Humor und Musik bzw. Witze und wirkungsvolle Melodien können nicht nur angesichts des Wahns, sondern auch angesichts eigener Hilflosigkeit oder Verfahrenheit neue Perspektiven eröffnen (vgl. dazu etwa „Die Welt ist mir ein Lachen“ unter „Aktuelles“). So lässt sich Abstand gewinnen und doch führt nichts daran vorbei, dass Passion – Leiden und Tod – weiterhin Teil dieser Welt sind, unentrinnbarer Teil der menschlichen Existenz.

Ostern stellt vor Augen, dass es dennoch eine Hoffnung über das Leben in dieser Welt hinaus gibt. Diese Hoffnung ist im Leben Jesu Christi bereits Realität geworden. An Seiner Auferweckung durch Seinen Vater im Himmel lässt sich ablesen, dass die letzte Macht – die Macht von Endgültigkeit und Unwiederbringlichkeit – nicht dem Tod gehört, nicht dort verbleibt: Sondern durch die Auferstehung Jesu Christi ist allen, die zu Ihm gehören, dieses unvergängliche, ewige Leben als Verheißung gegeben: verbürgt und versprochen durch den, der die Erde erzittern ließ und Seinen Sohn von den Toten auferweckt hat, herausgeholt hat von dort, woraus kein eigenes Entkommen möglich ist.

Für die Osterzeit wünsche ich darum Gottes Segen und grüße Sie mit dem österlichen Wort:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18)

Ihr Pfarrvikar Dr. Andreas Pflock

(Quelle Bild: Sr. Georgia Andrzejewski, Auferstanden, © Ars liturgica Klosterverlag Maria Laach, Nr. 4290, www.klosterverlag-maria-laach.de)

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