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Predigt zum Trinitatis-Fest, 7.6.2020

8. Juni 2020 • Marlies

2. Kor 13,13

So schreibt der Apostel Paulus als letzten, abschließenden Gruß seines letzten Briefes an seine problembeladene Gemeinde in Korinth:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Liebe Gemeinde, in der Mission gibt es eine besondere Schwierigkeit. Dann nämlich, wenn der Missionar auf die Person Gottes zu sprechen kommt. Gewohnt sind Menschen aus den Naturvölkern den Glauben an Ahnengeister, an Dämonen oder andere Götter. Oft eine Vielzahl davon. Und dann gilt es diesen Menschen zu erklären: 3 Personen – aber nur ein Gott!

Dann überlegen diese Menschen: 3 Götter? 1 Gott, 2 Geister? Oder eine irgendwie anders zu sehende Kombination?

Nein, 3 Personen – ein göttliches Wesen. Unteilbar – aber doch: Gott tritt uns in 3 verschiedenen P e r s o n e n entgegen. Was meint das Wort „Person“, das wir ja so selbstverständlich benutzen? Dazu gehen wir ins Theater. Wer bei uns ins Theater geht, staunt manchmal, wieviel Schauspieler in einem Theaterstück mitwirken. Am Schluss wird das deutlich, wenn alle Mitspieler, die Hauptrollen und alle kleinen Nebenrollen, zum Schlussapplaus auftauchen. Manchmal sind es so viele, dass man überlegen muss, welche Rolle da manche Person nun im Laufe des Stückes gespielt hat.

In der Zeit, aus der unser Wort zur Predigt stammt und als auch das Wort „Person“ erfunden wurde, war das anders. Dazu muss man in die Geschichte der antiken Welt gehen.

„Persona“, heißt es in Griechenland. Und wir befinden uns im antiken griechischen Theater. Nur ganz wenige Schauspieler gibt es dort. Zwei oder drei nur. Diese wenigen Schauspieler spielen ganz viele verschiedene Rollen. Damit sie das können und auch deutlich wird, welche Rolle sie gerade spielen, tragen sie Masken vor dem Gesicht. Je nach Rolle wechseln sie dazu jeweils die „Persona“, die Maske. Durch diese Maske vor dem Gesicht sprechen sie ihre Rolle. Es gibt auch ein Tätigkeitswort dafür, das heißt „personare“, das „Hindurchsprechen durch die Maske“. Vielleicht mag uns dies ein wenig helfen, wenn von einem Gott in drei Personen die Rede ist. Gott tritt uns in je einer von drei „Masken“ gegenüber, in einer von drei „Persona“: Vater, Sohn oder Heiliger Geist. – Das erklärt sicher nicht alles, aber eine kleine Hilfe zum Verstehen mag es sein.

Es bleibt letztlich ein Geheimnis des Glaubens. – Ja, wenn vom christlichen Glauben gesprochen wird, dann wird vom Glauben an den dreieinigen Gott gesprochen. Das unterscheidet uns von allen Religionen, vom Judentum und auch von den Moslems.

Dass Gott sich uns so und nicht anders offenbart hat, zeigt auch, dass er seinen Christen viel von sich und seinen Geheimnissen gezeigt hat. Mehr als allen anderen. So bezeugt ihn die Heiligen Schrift, so tritt er uns in diesem Geheimnis gegenüber. Verstehen müssen und können wir’s letztlich nicht.

Viel wichtiger ist uns, was Gott uns schenkt und für uns getan hat in seinem Sohn Jesus Christus. Jesus Christus ist ja der, in dem wir Gott erkennen sollen. Durch ihn und in ihm handelt Gott. Durch ihn hat Gott die Menschen herangeführt an sich selbst. Jesus sagt ja einmal: Wer mich kennt, der kennt den Vater. Und wer Jesus kennt, seine Sorge und seine Liebe für uns, der kennt den tiefsten Grund, die innersten Gedanken Gottes über die Menschen. Und diese Gedanken fasst der Apostel Paulus am Ende des 2. Korintherbriefes noch einmal so zusammen: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Und das sind die tiefsten Gedanken Gottes für uns: Es ist 1. die Gnade in Christus, 2. die Liebe Gottes, 3. die Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

Liebe Gemeinde, da ist zunächst die Gnade in Jesus Christus. Und es lohnt sich, einmal das deutsche Wörterbuch aufzuschlagen und nachzusehen, was in diesem Begriff „Gnade“ alles verborgen ist. Begriffe sind immer so etwas wie volle Gefäße; manches liegt obenauf, anderes ist tief unten im Gefäß verborgen. Wenn man den ganzen Sinn eines Wortes ergründen will, dann muss man dieses Wortgefäß ganz ausräumen, bis unten hin. Und bei Gnade finden wir als eine Wortwurzel: Rast und Ruhe.

Gnade ist Rast und Ruhe. Das ist merkwürdig zunächst. Was hat Gnade mit Rast und Ruhe zu tun? Erklärlich wird das erst, wenn wir uns vor Augen halten, was einer hat, der sich bei Gott in Ungnade weiß und dies auch wirklich ernstnimmt. Der hat gewiss keine Rast und Ruhe. Der muss sich behaupten, sich verteidigen, weil er mit Gott in Feindschaft lebt. Erst, wenn er bei Gott in Gnade ist, dann tritt Frieden ein. Dann kann er auch innerlich rasten und ruhen.

Eine weitere Wurzel des Wortes Gnade ist „Freude.“ – Das ist uns dann erklärbar. Ich möchte nur einmal an den Schalksknecht erinnern. Jesus erzählt ja von diesem Mann, der seinem Herrn ein Vielfaches dessen schuldet, was er in seinem ganzem Leben überhaupt verdienen könnte mit seiner Hände Arbeit. Als er nun seine Schulden bezahlen soll und es nicht kann, soll er zunächst mitsamt seiner Familie in die Sklaverei verkauft werden, damit wenigstens etwas von seinen Schulden beglichen werden kann. – Dieser Schalksknecht sieht dieses furchtbare Leben als Sklave vor Augen und er hat Angst. Und hat nur eine einzige Möglichkeit: Er kann nur noch um Begnadigung bitten, um Erlass seiner riesigen Schulden. Und er tut’s – und sein Herr ist ein gnädiger Herr. Er erlässt ihm alle Schulden. Er geht aus dem Haus als freier Mann, als schuldenfreier Bürger. Als ihm dieser Stein vom Herzen genommen ist, da, denke ich, können wir etwas davon ahnen, dass Gnade „Freude“ bedeutet. Freude über die geschenkte Freiheit.

Und ein Drittes noch steckt in diesem Gefäß: Gnade, das ist das göttliche Erbarmen selber. Der „Freispruch“, nämlich dann, wenn man keinen Anspruch hatte. Der geschenkte, unverdiente „Freispruch“. Gott ist ein Gott der Gnade, der sich erbarmt und Gnade schenkt denen, die ihn in Jesus Christus bitten.

Das zweite ist die Liebe Gottes. Was ist das, die Liebe Gottes? Das deutsche Wort Liebe hat in den Tiefen des Gefäßes die Wurzel: „loben“ + „gutheißen“. Loben? Wir kenne das alle. Vor der Hochzeit die Verlobung. Verlobung – loben ‒ Liebe. Gott liebt uns. Und wenn dem so ist, dass Lieben von Loben, von Gutheißen kommt, dann will Gott, dann möchte er uns loben und gut heißen können. Loben kann man aber nur den, der in einer guten und richtigen Weise handelt. Wenn unsere Kinder so handeln, wie wir es möchten, dann loben wir sie und lieben sie umso mehr. Das kennen wir von uns.

Gott aber liebt alle Menschen. Und die wenigsten davon – wir eingeschlossen ‒ handeln nur so, wie er es möchte. Aber trotzdem liebt Gott alle Menschen, sogar uns. Er möchte, dass alle zur Erkenntnis des Sohnes gelangen, der ihnen die Tür zu seinem Reich geöffnet hat.

Lieben heißt loben und gutheißen. So stand es im Wörterbuch.

Schon bei der Schöpfung heißt es bei jedem Schöpfungswerk: Siehe, es war sehr gut! Das Licht. Die Tiere. Der Mensch. Es war sehr gut, Gott konnte alles gutheißen. Das blieb nicht so, wir wissen das – der Mensch fiel in Sünde – er war nicht mehr gut.

‒ Gottes Liebe aber zu den Menschen blieb. Er wollte sie wieder dahin bringen, dass er sie wieder gutheißen konnte. Dazu schickte er seinen Sohn, der für die Menschen den Zustand der Gerechtigkeit und der Unschuld erwarb. Nicht die Menschen werden verbessert, sondern es wurde ihnen die Gerechtigkeit des Sohnes zugerechnet und übereignet. Allen, die sich rufen ließen unter die Liebe Gottes, wird dieser Titel verliehen: ein Gerechter. Ein Gerechter in Christus. Ein Christ. Wer in der fremden Gerechtigkeit des Sohnes lebt, den heißt Gott gut, weil er seinen Sohn gutheißt. Deshalb ist es wichtig, dass man nah bei seinem Sohn bleibt, dass man von ihm und mit ihm lebt.

Das Grundkonzept Gottes lautet: Gnade in Christus, Liebe Gottes und als Drittes und Letztes: Gemeinschaft des Hl. Geistes.

Eben haben wir gesagt, dass es wichtig ist, dass man nah bei Christus bleibt, von ihm und mit ihm lebt. Und das ist das Werk des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist sorgt dafür, dass der Glaube an Christus nicht erlischt und nicht kalt wird. Und wenn jemand merkt, dass sein Glaube abkühlt, dann heißt das: er gibt dem Heiligen Geist zu wenig Gelegenheit, an ihm zu wirken. Der Heilige Geist, so sagt die Schrift, wirkt durch das Wort Gottes + die Sakramente. Wer das Wort nicht an sich heranlässt, wer ihm fernbleibt, der kann vom Heiligen Geist nicht erreicht werden.

Nun könnte jemand sagen: Schön – dann lese ich zu Hause jeden Tag 2 Verse Bibel und meditiere sie für mich allein. So als eine gute christliche Übung im Wohnzimmer zu Hause. Oder wo auch immer. Das hat durchaus seinen Wert und sein Gutes. Dazu kann man nur ermuntern. Auch wenn das auf Dauer nur die Wenigsten tun. Der Heilige Geist möchte mehr. Und deswegen ist eine gottesdienstlose Zeit, wie wir sie wegen Corona hatten, keine gute Zeit. Keine gute Zeit für den Glauben, keine gute Zeit für das Miteinander. Jeder allein zu Hause, das ist nicht im Sinne des Heiligen Geistes. Er möchte die Menschen in eine besondere Gemeinschaft führen. In die Gemeinschaft derer, die miteinander Gott loben, ihm singen und danken. Auch wenn wir das mit dem Singen im Moment nur sehr eingeschränkt tun. Auch aus Coronagründen. Der Heilige Geist erinnert uns an das Heilige Abendmahl – an diese engste Gemeinschaft mit unserm Herrn. Das möchte der HeiligeGeist, er möchte mit uns in Gemeinschaft treten und möchte uns in die Gemeinschaft mit dem Herrn Christus führen. In die Gemeinschaft der Christengemeinde, die miteinander lebt, arbeitet und Gott lobt.

Das, liebe Gemeinde, ist das Grundmuster des dreieinigen Gottes für uns: die Gnade in Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. So ruft es der Apostel Paulus seiner Gemeinde als letzten Gruß noch einmal zu, und so gilt es für uns alle. Amen.

Categories: Allgemein, ANgeDACHT