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Predigt zum Sonntag Lätare, 14.3.21

13. März 2021 • Marlies

Philipper 1, 12-21

Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu. Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn
Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

Liebe Schwestern und Brüder,

was für ein Wort! Da sitzt der Apostel in seiner Gefängniszelle, aus der er kaum mehr lebend herauskommen wird, und schreibt diesen Brief an seine Gemeinde in Philippi und an alle Gemeinden, auch an unsere! Und somit an jeden einzelnen von uns. Was ist seine Botschaft? Seid traurig, mir geht es schlecht? – Nein! Der Apostel spricht davon, dass alles – auch die schlimmen Dinge seines Lebens – dem Evangelium dienen! Und das lasst uns ein wenig miteinander beleuchten. Denn schlimme Dinge erleben viele, wenn nicht sogar wir alle. Uns aber will der Apostel einen besonderen Weg zeigen, und dazu nimmt er uns an die Hand.

Zunächst aber ist festzustellen: Es gibt zumindest zwei Wege, mit dem Leid umzugehen. Den ersten Weg möchte ich einmal den „natürlichen Weg“ nennen. Den möchte ich kurz beschreiben: Es ist Leid da. Worin immer es bestehen mag. Nehmen wir einen schlimmeren Fall an. Jemand ist allein geblieben. Ist enttäuscht, einsam – hat den Lebensgefährten verloren. Oder es ist sonst etwas geschehen, was dazu geeignet ist, einen aus der Bahn zu werfen, das Leben bitter werden zu lassen. Der schon angesprochene natürliche Weg führt in die Anklage. Da wird angeklagt, wer immer da greifbar ist. Wer immer da verantwortlich zu sein scheint. Die Mitmenschen, die Kinder, die Nachbarn, die Ärzte, die Gesellschaft – ja, sogar sich selbst klagt man an. Dann heißt es: „Hätte ich damals, vor Jahren, dies und das anders gemacht, hätte ich nur darauf geachtet, wäre mir klar gewesen, wohin das führt, dann hätte ich …! Aber ich habe nicht! Ich habe es so laufen lassen und jetzt stehe ich da!“ Die Bitterkeit im Herzen setzt sich fest. – Das kann so weit gehen, dass man allen Lebensmut verliert und nur noch vor sich hin lebt. Verbittert und enttäuscht. Selbst Gott wird nicht mit Vorwürfen verschont. Der natürliche Weg ist ein Weg in die Sackgasse! Es führt da kein Weg heraus, man sitzt fest, gefangen im eigenen Schicksal. Traurig und schlimm, wenn jemand unter diesen Umständen sein Leben beschließen muss. Aber es sind leider keine Einzelfälle. Anklage, Verbitterung und die Sackgasse ohne Ausweg: Das ist der natürliche Weg des Leides.

Der Apostel Paulus aber weist den Gliedern seiner Gemeinde einen ganz andern Weg. Und dieser Weg ist so erstaunlich, dass er andere wirklich mitreißt. Da ist die Gefängnisbehörde, das Prätorium, oder seine Mitgefangenen im Gefängnis selber: Man hat allerorten bemerkt, dass dieser Paulus von Tarsus einen neuen Weg kennt. Nicht diesen alten Weg in die Bitterkeit und in die Anklage, nicht den Weg in die Sackgasse, sondern einen neuen Weg! Einen Weg, den er in Freuden geht! In der Freude in Christus. Alles, was da mit ihm geschehen ist, ob unlängst oder schon früher, sagt Paulus, das dient dem Evangelium! Es dient dazu, Menschen zu zeigen, dass es einen Weg aus der Sackgasse gibt! Was immer in die Sackgasse geführt hat – es es gibt einen Weg hinaus! Und dieser Weg heißt bei Paulus: der Glaube an den Herrn Jesus Christus!

Wir halten ein wenig inne für eine besondere Frage an uns, an dich und an mich: Ist es möglich, dass gerade auch dein Leben und dein Schicksal dazu dienen könnte, anderen, die Ähnliches erleben mussten wie du, den Weg zu Christus zu weisen? Ist es vielleicht eine Möglichkeit, die dir geschenkt ist, anderen durch dein Verhalten und deinen Umgang mit deinem Schicksal den Weg zu Christus zu weisen? Ich möchte hierauf keine vorschnelle Antwort. Aber ich möchte den Denkanstoß setzen, ob nicht gerade darin für dich selbst auch ein neuer Umgang mit deinen Schicksal möglich ist. Und ein Weg, der aus der Sackgasse herausführt. Nur den Denkanstoß möchte ich setzen. Hier zu überlegen und den Herrn genau auch darum zu bitten. Um diese Kraft des Glaubens.

Der Apostel Paulus hat genau dies getan. Er sitzt ja fest, in einer Sackgasse. Er weiß genau, dass die Wahrscheinlichkeit, das Gefängnis lebend zu verlassen, sehr gering ist. So wie bei seinen Mitgefangenen auch. Bei Paulus aber hat diese Sackgasse ein Fenster. Durch dieses Fenster fällt das Licht der Herrn Christus und sprengt diese Sackgasse. „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Jesus Christus zu sein“, sagt Paulus an anderer Stelle. Hier, sagt Paulus, hier liegt der Schlüssel für jede dunkle Sackgasse. Die letzte Bastion des Teufels, der Tod, ist abgebrochen und beseitigt. Der Schlüssel für jede Sackgasse heißt: Glaube an den Herrn Jesus Christus! Das Evangelium von der Rettung des Menschen von Sünde, Tod und Teufel gilt dir – gerade in deiner Sackgasse. Das ist das Werk des Herrn Jesus Christus, dass diese Dinge beseitigt sind. Dafür ist er den Tod am Kreuz gestorben. Alle, die diesem Mann anhangen, gilt: Du wirst mit mir im Paradiese sein! Die Nachricht von der Überwindung des Todes darfst du für dich fruchtbar machen. Du darfst dich und dein Leben dem Herrn Jesus Christus anvertrauen. Du brauchst keine Sackgassen zu fürchten. Der Herr ist bei dir. Und wenn er Kraft schenkt, dann wirst du auch dann ohne Bitterkeit den Weg deines Lebens gehen können. Die Bitte um diese Kraft ist nie vergeblich.

Kehren wir zurück zum Apostel Paulus. Auch die letzte Konsequenz, so sehen wir an ihm, kann ihn nicht aus der Bahn werfen. Wie sagt er? „Christus, der ist mein Leben. Und Sterben ist mein Gewinn.“

Nun, wir hören den letzten Teil dieses Satzes immer mit etwas Schaudern. Sterben ist mein Gewinn – das klingt wirklich gräulich. Das führt dazu, dass wir diesen Teil des Satzes ganz groß und ganz schwarz malen. Da ist vom Sterben die Rede. Und diese Rede vom Sterben ist immer eine schwierige Rede. Und wenn es dir eine Hilfe ist, dann streiche diesen zweiten Satzteil und sage zu Paulus: Lieber Paulus, mir wäre es eine Hilfe, wenn du den Satz andersherum geschrieben hättest: „Sterben ist mein Gewinn, denn Christus ist mein Leben!“ – Dann wäre für mich deutlicher, was eigentlich gemeint ist. Christus ist mein Leben, ja, das kann ich deutlich unterstreichen, das will ich auch gerne annehmen. Dazu lebe ich gerne, auch hier und heute. Und ich darf mich freuen, dass Christus mein Wegbegleiter ist und zu mir „ja“ gesagt hat. Und dass er mich kennt und mit mir ist und mit mir geht durch dieses Leben.

Wir halten hier wieder ein wenig inne und erinnern uns noch einmal an die genannte Sackgasse, an die Finsternis, in der man stecken kann und nur all zu oft steckt.

So eine vollmundige Aussage – Sterben ist mein Gewinn –, die stellen wir mal auf den Prüfstand. Wir wissen ja mittlerweile, wie das mit den Prüfständen heute so gemacht wird. Da wird ein Testzyklus gefahren bei den Autos und es wird gemessen, was hinten rauskommt. Ob nun Diesel oder nicht: Eins ist wichtig: Das Ergebnis muss mit dem realen Leben übereinstimmen. Da hilft keine Schummelsoftware. Das Ergebnis ganz hinten muss sich als tragfähig erweisen. Alles andere wäre Selbstbetrug, auch und gerade in unserm Falle.

Paulus gebraucht das Wort „Gewinn“. Gewinn ist das, was unterm Strich übrigbleibt, mit einem großen Pluszeichen davor. Keine roten Zahlen, sondern tiefschwarze Zahlen: Gewinn.

Am Ende meines Lebens hier – steht mein Gewinn. Das sagt der Prüfstand. Und es ist keine Schummelsoftware eingebaut. Bei allen, die auf Jesus Christus getauft sind und mit ihm unterwegs sind, gelten diese neuem Bedingungen real. Da gibt es keine Fahrverbote im Leben. Und da droht auch kein Fahrverbot am Ende des Lebens. So ist diese Aussage des gesicherten Gewinns eine zutiefst evangelische Aussage. Das meint: Sie entspricht dem Evangelium, dem Sinn und Ziel dessen, was Jesus Christus in diese Welt gebracht hat. Und das gilt jedem von uns ganz persönlich. Darauf hat der Herr Christus Brief und Siegel gegeben. Dafür hat er sein Leben eingesetzt.

Ohne diesen Hinweis, also auf das Ende des Lebens, wäre die gute Botschaft nicht gute Botschaft. Wenn diese Aussage nicht auch für das Ende des Lebens gelten würde, dann wäre das Ganze eine bloße Illusion. Wie bei den Autos, die nur dann, wenn man sie gerade auf dem Testzyklus fährt, die Bedingungen erfüllen. Aber wo es darauf ankommt, stellt sich heraus: Nichts stimmt. Alles nur vorgegaukelt.

Ja, der Apostel Paulus weist hier also ganz zu Recht auf die besondere Gültigkeit am Ende des Lebens hin. Da wird der wirkliche und eigentliche Gewinn eingefahren, der Gewinn des Glaubens an den Herrn Jesus Christus. Und der ist ihm real und wirklich Gewinn.

Wir wissen nicht genau, liebe Schwestern und Brüder, welches Schicksal Paulus hier in diesen Tagen wirklich ereilt hat. Ob es seine Todeszelle war, wie zu vermuten ist, oder ob er noch einmal davongekommen ist mit dem Leben. Und wenn es so war, dass er noch einmal in Freiheit gelangt ist, dann wird er darüber nicht traurig gewesen sein. Dann hat er gewusst, dass sein Weg auf dieser Erde noch weiterführt. Und seine Aufgaben noch nicht zu Ende sind. Aber – so entnehmen wir seinen Worten: Sein Gewinn steht dann noch aus. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und darauf freut er sich und blickt positiv und optimistisch in die Zukunft. Denn sein Gewinn, der ist ihm sicher. Dank des Herrn Jesus Christus. Amen.

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