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Predigt zum Osterfest 2021

4. April 2021 • Marlies

Johannes 5, 25

Christus spricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

was ist das Besondere an Ostern? Was ist das Besondere an diesem Fest? Warum feiern und warum freuen sich viele auf dieses Fest, auf diese Feier?

Ein schönes Ereignis kann man sich gar nicht oft genug vor Augen führen. Man denkt gern daran, man erzählt seinen Freunden und Bekannten immer wieder davon. Man selbst blättert gern im Fotoalbum, um sich selbst nach vielen Jahren noch schöne Ereignisse wieder anzusehen und sich zu freuen.

Ostern ist für die Christenheit ein solches schönes Ereignis. Vielleicht das schönste, das wichtigste Fest der Christenheit, das man sich denken kann. Aber wenn wir Christenheit sagen, dann ist es sinnvoll, nicht an die vielen Millionen Menschen zu denken, sondern an die kleinste Einheit der Christenheit. Und die kleinste Einheit der Christenheit, das bist du selbst. Oder ich selbst – jeder für sich. Das ist wichtig. Nur was mir gilt, was dir gilt, ganz direkt und ganz persönlich, das zählt letztlich. Alles andere ist graue Theorie.

An Ostern aber geschieht genau das: Ostern gilt mir. Und dir. Die Botschaft der Auferstehung des Herrn mündet ein in die Botschaft: Du wirst auferstehen! Du selbst wirst erleben, dass das Grab sich öffnet und Christus dich ruft. Er ruft dich vom Tod zum Leben.

Die Frage ist: Wann soll das geschehen? Wann werden wir alle, du und ich, die Stimme, seine Stimme hören, die uns zum Leben ruft?

Das Wann hat die Menschen immer wieder beschäftigt. Heute wie in der Vergangenheit. Wie ist die Antwort auf das große WANN? Da geben die einen den Hinweis auf den Jüngsten Tag. Dann, wenn Christus wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Wenn er die Gräber öffnen wird und die Menschen vor ihm erscheinen werden. Dann ruft er selbst, Christus, vom Tod zum Leben. Das ist die eine Antwort. Vielen ist das die geläufige Antwort. Mit der Zukunft lässt sich argumentieren, auch spekulieren.

Bei allem Verständnis für eine solche Zukunfts-Perspektive: Es ist nur die halbe Wahrheit. Und ich erlaube mir zu sagen: nicht einmal die wesentlichere Hälfte. Die Heilige Schrift, auch Christus selbst, er betont immer wieder das Hier und Heute. „Was wartest du auf die Zukunft“, sagt Jesus zu der Frau am Jakobsbrunnen: „Ich bin es, der mit dir redet!“ – „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, sagt Jesus an anderer Stelle.

In unserm heutigen Wort sagt er: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben!  – Es kommt die Stunde und ist schon jetzt – heißt es. Die Zukunft wird zurückgefahren auf die jetzige Stunde. Auf das Jetzt. Auf das Hier und Heute. Auf die Botschaft von Ostern. Auf sein Wort. Auf Jesu ureigene Person. „Schon jetzt“ ist es soweit, sagt er. Jetzt hören die Toten seine Stimme, und die sie hören werden, die werden leben! Jetzt! Ab jetzt, für immer, ohne Beschränkung, ewig! Wenn die Toten seine Stimme hören, werden sie leben – ab jetzt, unverzüglich.

Die Toten, sagt Jesus. Wer ist das? Bist du das, oder ich? Wer sind die Toten? – Die Toten sind die, die Jesus begegnen und ihn weiterhin ablehnen und ignorieren. Die sind tot und bleiben tot. Auch wenn sie meinen, sie selbst seien höchst lebendig. Ob sie tot sind oder lebendig, entscheidet sich nach biblischer Sicht nicht am Vorhandensein von Pulsschlag, Blutdruck oder Hirnaktivität. Lebendig ist der, der seine Stimme hört, der seiner Botschaft vertraut. Der wird von einem Toten zu einem Lebenden. Alles aber entscheidet sich daran, ob du seine Stimme hörst, ob du ihr Vertrauen schenkst.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben!

Schon jetzt – sagt Christus. Hier und heute. An diesem Osterfest, an jedem Sonntag, den wir als kleines Auferstehungsfest halten, in der nächsten Woche und im Rest deines Lebens. Im Rest deines Lebens? – Nein, du wirst leben, so leben, dass du Christus nahe bist und ihm nahe bleibst in den Tagen deiner Erdenzeit und darüber hinaus. Die Toten, die seine Stimme hören, die werden leben.

Was ist das Besondere an Ostern? Was ist das Besondere an diesem Fest? Warum feiern und warum freuen wir uns auf dieses Fest, auf diese Feier? – Weil wir wieder seine Stimme hören, weil wir wieder hören vom Sieg, von der Auferstehung, die unsere eigene Auferstehung geworden ist, schon jetzt und heute! Wir sind keine Toten mehr, sondern wir leben, weil wir seine Stimme hören.

Amen.

Categories: Allgemein, ANgeDACHT