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Predigt zum Drittletzen Sonntag im Kirchenjahr

9. November 2020 • Marlies

1.Thess 5,1-11

Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.

So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.

Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Liebe Gemeinde,

lasst uns wachen und nüchtern sein. Das ist das Gebot der Stunde in Coronazeiten. Denn die Pandemie betrifft uns alle. Wir bewegen uns irgendwo zwischen Hysterie auf der einen und Leugnung der Gefahr auf der anderen Seite. Zwischen Angst und Sorglosigkeit. Als Einzelperson, als Gemeinde, als Gesellschaft müssen wir immer wieder die veränderte Coronasituation erkennen und unser Handeln danach ausrichten.

Wenn man mit Menschen telefoniert, erzählten alle von ihren alltäglichen Schwierigkeiten mit den Coronaeinschränkungen. Und von den Sorgen, die damit einhergehen. Viele sind dünnhäutig. Innerlich unruhig. Das Virus stellt das eigene Planen in Frage. Was immer ging, geht jetzt nicht plötzlich mehr. Sie merken, dass sie nicht alles in der Hand haben. Ihnen wird bewusst, wie zerbrechlich sie sind. Und dann kommt noch die dunkle Jahreszeit dazu. Endzeitstimmung irgendwie. Nicht so, dass das Coronavirus das Ende der Welt bedeutet. Nein, es macht die Zeiten zusätzlich schwierig.

Lasst uns wachen und nüchtern sein. Diesen Rat gibt der Apostel Paulus im Hinblick auf die letzten Tage. Für die Bibel steht fest: Der Tag des Herrn kommt. Die Welt, so wie wir sie kennen, wird vergehen. Alles gerät aus den Fugen. Beunruhigend. Gerade dann, wenn wir erleben, wie vieles um uns herum schlechter wird. Der Tag des Herrn kommt. Christus kommt wieder. Dann wird er sein Recht durchsetzten. Und Gott heilt die kranke Welt. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in der Gerechtigkeit wohnt. In der Frieden herrscht. In der sein Heil umfassend ist. Endlich.

Als Paulus an die Christen in Thessaloniki schreibt, herrscht Endzeitstimmung. Die Gefühlslage ist nicht einfach. Manche sind enttäuscht, andere sind sorglos. Da gibt es Stimmen, die sagen: „Friede und Sicherheit“. Also: Nehmt die Sache mit dem Tag des Herrn nicht so ernst. Keine Panik. Wenn es soweit ist, dann bereiten wir uns darauf vor. Wir schaffen das schon.

Paulus entgegnet: Das ist blauäugig und gefährlich. Die Wiederkunft Christi auf die leichte Schulter nehmen? Besser nicht. Denn der Tag des Herrn kommt überraschend. Wie ein Dieb in der Nacht.

Paulus macht einen Vergleich: Der Tag des Herrn kommt wie Geburtswehen über eine Schwangere. Sie weiß in der Regel ja schon, dass es demnächst losgeht. Aber wann genau, weiß niemand. Aussteigen aus dem Geburtsvorgang kann eine Schwangere nicht. Denn die einsetzenden Wehen haben so eine Macht, dass die werden