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Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 9.8.2020

8. August 2020 • Marlies
  1. Petrus 4,7-11

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge« (Sprüche 10,12). Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: Wenn jemand predigt, dass er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er’s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde, nicht jedem gilt dieses Wort aus dem 1. Petrusbrief. Es gilt nicht allen Menschen, sondern nur den Christen. Nur die Christengemeinden wissen etwas von Ende aller Dinge, das da von Gott kommt. Ja, nahe ist es gekommen, das Ende. Und weil das Ende nahe ist, mahnt der Apostel zur Nüchternheit und Sachlichkeit. Und die Mahnungen, die dann im einzelnen kommen, die wollen wir uns etwas veranschaulichen.

Wir nehmen dazu die Arche Noah; von der ist nämlich einige Verse vorher die Rede. „Gott hatte Geduld zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.“ Und dann wird erinnert, dass die Arche ein Vorbild ist unserer Rettung durch das Wasser der Taufe. Und schließlich – das Schiff der Kirche ist uns als Bild geläufig. Aber bleiben wir bei diesem Bild der Arche. Setzten wir die Geretteten hinein, ob nun 8 Leute oder ganz viele – bleiben wir bei den Menschen, die dort von Gott gerettet sind. Und die Menschen in der Arche, sie wissen, dass die Rettungsaktion ihrem Ende entgegengeht. Der Petrusbrief sagt: „Es ist nahegekommen das Ende aller Dinge“. Das Schiff, die Arche, irgendwo wird sie an Land gehen. Und dann ist das Ende da. Das Ende der Reise. Der große Neuanfang, von dem die Christen wissen. Aber es ist noch nicht da. Und so lange, bis dieses Ende tatsächlich da ist, mahnt der Apostel: „Seid besonnen und nüchtern. Tut den nötigen Dienst auf dem Schiff, damit ihr nicht kurz vor dem Ende Schiffbruch erleidet. Und er nennt da als wichtigste Aufgabe: 1. das Gebet, 2. die gegenseitige Liebe, und 3. das einander Dienen. Durch alles soll Gott gepriesen werden im Aufblick zum Herrn Jesus Christus.

Seid besonnen und nüchtern zum Gebet. 

Kurz vor dem Ende: besonnen und nüchtern. Liebe Schwestern und Brüder – wenn sich die Christen diese Grundhaltung Besonnenheit und Nüchternheit immer zu eigen gemacht hätten, dann wäre manchem viel Leid erspart geblieben. Schon im NT lesen wir im Thessalonicherbrief, dass die Christen dort meinten, sie bräuchten nicht mehr zu arbeiten. Der Herr kommt bald. In spätestens 1–2 Jahren ist das Weltende da. Wozu dann noch arbeiten? Man kann sich noch ein paar gute Tage machen. Was man hat, kann man verkaufen und mit dem Geld gut bis zum Ende leben. Man kann sich gegenseitig auch aushelfen, selbstverständlich. Es dauert ja ohnehin nicht mehr lange.

Vielleicht lächeln wir darüber. Wir leben 2.000 Jahre später. Aber in der Hussitenstraße bei uns um die Ecke gibt es die Neuapostolische Gemeinde. Durch den Leiter der Neuapostolischen Kirche, den Stammapostel Johann Gottfried Bischoff, wurde um das Jahr 1950 herum zur offiziellen Lehre erhoben, dass die Wiederkunft Christi noch zu seinen Lebzeiten stattfinden werde. Wer diese Lehre bezweifelte, der wurde von Amts wegen aus der Neuap. Kirche ausgeschlossen. Joh. Gottf. Bischoff hatte eine große Anhängerschar. Diese geriet in eine tiefe Krise, als der Stammapostel am 6. Juli 1960 starb, ohne dass Christus wiedergekommen war. Die Menschen, die ihr Leben darauf ausgerichtet hatten, dass es nicht mehr lange dauern würde, sie waren am Boden zerstört. „Seid besonnen und nüchtern für den nahen Herrn“, so mahnt der Petrusbrief. Aber lasst euch nicht hinreißen zu unüberlegten Handlungen. Besonnen und nüchtern sein heißt: nicht darauf bauen, dass der Herr morgen oder nächste Woche kommt.

Aber auch das andere gehört zur Nüchternheit: für sich beherzigen, dass das Ende tatsächlich kommt. Sonst geht es so wie beim reichen Kornbauern, der ja überaus besonnen und nüchtern gerechnet hatte. Aber er hatte sich verrechnet: „Heute Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, das du bereitet hast?“ – Ja, auch das gehört dazu: Wissen, dass das Ende kommt. Das Weltende, wie auch das persönliche Ende. Ja, die besonnene Einstellung der Christen spiegelt sich im Gebet. Genau übersetzt heißt es: in den Gebeten: Plural. Hier spricht der Apostel Petrus von einer bestimmten Gebetspraxis. Vom Morgengebet, Vom Abendgebet. Vom Gebet in der Gemeinschaft der Brüder in der Gemeinde. Im Gottesdienst. Gebet bedarf einer festen Ordnung. Auch das gehört zur Besonnenheit und Nüchternheit. Eine feste Zeit. Ein fester Ort. Vielleicht ist ein Gebetbuch nützlich. Gebet ist sachliche, nüchterne Arbeit des Herzens. Das geht nicht, wenn man schachmatt ist von der Arbeit oder vor Müdigkeit kaum noch die Augen offen halten kann. Das Gebet bewahrt uns in der Besonnenheit und Nüchternheit. Und es schließt das Ende aller Dinge immer wieder mit ein. Es heißt stets: Dein Reich komme. Und die Bitte um Bewahrung am Ende des Lebens wird gewiss nicht fehlen.

Aber noch mehr geschieht im Gebet. Nicht nur, dass wir besonnen und nüchtern bleiben – im Gebet wird Gott gepriesen. Dass wir die Hände falten und beten, das ist Gotteslob, das im Namen unseres Herrn Jesus Christus geschieht. Nicht viele Worte sollen wir machen. Aber wir dürfen benennen, wofür wir danken, was uns betrübt und um was wir Gott bitten. Es ist der Kontakt, den Gott sich wünscht: Menschen sollen mit ihm reden, sie nehmen darin ihre Stellung als Kinder des himmlischen Vaters wahr.

Eine weitere Mahnung des Apostels an die Gemeinde lautet: „Seid besonnen und nüchtern zur gegenseitigen Liebe.“ – Eigentlich komisch, liebe Gemeinde – es heißt nicht: Liebt eure Feinde, liebt die, die euch hassen – nein: Liebt euch gegenseitig! Gemeint ist der Mitbruder und die Mitschwester in der Gemeinde. Hätte sich der Apostel diese Selbstverständlichkeit nicht sparen können? Offenbar nicht. Wir erinnern uns noch einmal an unsere Arche. In der Arche leben Menschen auf engstem Raum zusammen. Was anfangs ein frohes Miteinander der Geretteten war, das führt auf Dauer zwangsläufig zu Problemen. Es sind nämlich Menschen in diesem Kasten. Gemeindeglieder sind auch Menschen. Menschen, die aneinander schuldig werden, die einander auf die Nerven gehen können. Wenn dann noch die Zeit übermäßig lang wird, wenn der erwartete Herr nicht kommt, dann wächst der Unmut.

Und die anfängliche Liebe, die da gewesen sein mag, sie erkaltet. Erst ist es die beglückende Bruderliebe, dann die gefärbte Liebe, dann schließlich ein Kampf gegeneinander. Ja, so etwas gibt es. Mitten in einer Christengemeinde. Der Apostel Petrus hat es erlebt und gesehen, sonst würde er so nicht mahnen. Besonnen und nüchtern in diesen Dingen – in der Liebe zum Mitbruder –, das schließt ein, dass wir wissen: Es kann sehr wohl zu Feindseligkeiten kommen, mitten in der Gemeinde. In der Gefahr stehen wir. Wer spürt, dass er an diesem Punkte sich angesprochen weiß, der höre den Apostel Petrus und seine Mahnung zu Besonnenheit und Nüchternheit. „Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge“.

Beständige Liebe, anhaltend – heute so wie in 20 Jahren, so möge es sein. Ein Weg dahin ist es, bei Problemen das Gespräch zu suchen, in aller Liebe. Vom andern „Gutes reden und und alles zum Besten zu kehren“ – das ist die praktische Regel. Das ist wohl auch die schwerste Übung. Wir sind viel schneller dabei zu klagen und anzuklagen. Das liebevolle Gespräch miteinander zu suchen, führt in aller Regel weiter. Es hat Verheißung und tut wohl, Schwierigkeiten auszuräumen.

Die Liebe zum Mitbruder und zur Mitschwester besteht auch darin, dass man sich miteinander brüderlich ausspricht. Besonnen und nüchtern. Auch darin geschieht Lob Gottes. Liebe heißt: den anderen vor Schaden zu bewahren und ihn bei Jesus Christus zu halten. Als Mitbruder und Mitschwester, die unter dem gleichen Herrn leben und wo einer nicht weniger Sünder ist als der andere. Besonnen und nüchtern sein. Im Umgang miteinander zum Lob des Herrn, der deinen Mitbruder trägt und der auch dich selbst trägt. Amen.

Categories: Allgemein, ANgeDACHT