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Predigt an Himmelfahrt, 21.5.2020

22. Mai 2020 • Marlies

Apostelgeschichte 1, 3‒11

Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg. Als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Liebe Gemeinde,

Himmelfahrt, was ist das? Ein Tag, ein Feiertag, dazwischen-gequetscht, kurz vor Pfingsten. Ein Reisetag, sagen die anderen, an dem man die Familie mal wieder besuchen kann, ein verlängertes Wochenende, wenn der Freitag auch noch freigenommen wird. Alles in diesem Jahr ein bisschen schwierig, wegen Corona. Aber in diesem Jahr ist sowieso alles anders. Aber was ist Himmelfahrt wirklich?

Die Apostelgeschichte gibt uns gleich mehrere Antworten: Himmelfahrt ist zunächst Rückblick auf Ostern und die Auferstehung. Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. – 40 Tage nach Ostern, eine Zeit der Vergewisserung, der Freude über die Auferstehung des Herrn. Die ist bei uns in diesem Jahr ein wenig kurz gekommen: keine Ostergottesdienste, kein Jubelruf: „Der Herr ist auferstanden!“, kein Halleluja im Gottesdienst bis vorletzten Sonntag. Aber Ostern ist deswegen nicht ausgefallen, wir sind nicht zu kurz gekommen, sondern wir sind in einer Art Fastenzeit gewesen. Ja, 40 Tage lang erschien ihnen Jesus immer wieder, machte manchem klar, dass wirklich geschehen war, was er immer gesagt hatte: Er müsse leiden, getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Seinen Gegnern hatte er gesagt: „Brecht diesen Tempel ab – womit er seinen Körper meinte ‒ und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten.“ So ist es geschehen, aller Vernunft zum Trotz. Gottes Macht und Herrlichkeit sind größer als alle unsere Erfahrungen des Alltages.

Ostern im Rücken – 40 Tage lang. Und das Besondere: Ostern gilt mir, gilt dir – uns allen! Was wäre die Auferstehung Jesu nütze, wenn ich, wenn du, und wir alle, nicht darin vorkämen! 40 Tage lang hat Jesus persönlich davon Zeugnis gegeben, seinen Jüngern und allen Skeptikern, und vor mehr als 500 Zeugen auf einmal. Die Auferstehung Jesu ist das bestbezeugte Ereignis der Bibel. Es ist so. Er ist auferstanden, und ich und du, wir alle werden auferstehen! Er wird uns rufen, wenn es an der Zeit ist. Tot oder lebendig! Das ist Ostern – im Rückblick von Himmelfahrt aus.

Und es ist auch ein Tag der Vorbereitung und des Wartens, auf das Kommende. – Für die Jünger: Ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Der Heilige Geist wird kommen und frischen Wind in euch bringen. Er wird euch zeigen, was ihr tun sollt, und ihr werdet hinausgehen in alle Welt und die gute Nachricht predigen den Menschen aller Nationen.

Frischer Wind, der da kommen soll und gekommen ist, auch für uns: Wir haben die Gabe des Heiligen Geistes empfangen durch die Heilige Taufe. Und wir sind hineingenommen in Gottes Reich und Werk. Wir gehören zur weltweiten Kirche derer, die dem Herrn Jesus als seine Jünger angehören. Menschen, denen die Gute Botschaft der Auferstehung und der Liebe von und zu Gott neues Leben einhaucht. Die plötzlich sehen und wissen: Da ist der Herr, den ich lieben soll und kann. Und da ist mein Nächster, den ich ebenfalls lieben soll und kann, weil ich selbst geliebt bin und geliebt werde.Der Glaube ist das Licht, das die Welt verändert, im Sinne Jesu.

Und nicht nur das: Himmelfahrt ist die Erinnerung daran, dass Gottes Kraft über unser jetziges Leben hinausweist. Ob Corona oder nicht: Mancher muss in den heutigen Tagen daran erinnert werden, dass uns nicht Corona beherrscht. Die Auferstehungsfreude und das Wiederkommen des Herrn beherrscht uns. Und die Verheißung des ewigen Lebens. Auch wenn wir das so gerne mal ausblenden. Corona ist gerade auch in diesen Zeiten eine Gelegenheit, ein Bekenntnis zum Herrn Christus abzulegen. Und wenn wir die Corona-Maßnahmen befolgen, dann deshalb, weil uns die Nächstenliebe dazu nötigt. Das ist keine Angst-Maßnahme, sondern die Sorge für den Nächsten. Die ist uns ebenfalls aufgegeben, neben der Liebe zum Herrn Christus. Das ist nichts, was gegeneinander ausgespielt werden kann, sondern es gilt beides miteinander. Ich sage das ganz bewusst, weil ich von Christen gehört habe, die die jetzige Situation besonders dazu nutzen wollten, die Stärke ihren Glaubens zu präsentieren. Und sie haben dabei viele Menschen in Gefahr gebracht und dem sind wohl auch einige zum Opfer gefallen. So erinnere ich mich an einen Bericht aus einer Pfingstgemeinde in den USA. Gottesdienst als Corona-Party: „Wir glauben an den Herrn, uns kann nichts passieren.“  – Nein, das ist nicht im Sinne des Herrn. Wir haben einen Kopf und ein Gehirn bekommen, und wir sollen und dürfen es auch benutzen. Und es gibt Desinfektionsmittel und Maßnahmen, die Schutz bieten. Und es gibt darüber hinaus das Gebet an unsern himmlischen Vater um Hilfe, um Fürsorge und Abhilfe. Alles, weil wir wissen: Wir sind dem Herrn nicht egal. Wir sind seine Kinder und sollen und dürfen ihn bitten. Alles in der christlichen Freiheit der Kinder Gottes. Und im Vertrauen auf seine Macht und Stärke.

Eins noch lesen wir in unserem heutigen Predigtwort, und wir lesen es mit ein wenig Verwunderung: Jesus ist aufgenommen von der Wolke. Er ist weg. – Und plötzlich sind da zwei Männer in weißen Gewändern. Zwei eher unfreundliche Typen. Die Jünger sind noch ganz fasziniert von dem, was sie eben gesehen haben. Und jetzt sind da diese beiden, von denen niemand weiß, woher sie kommen. Die Jünger werden nahezu angemault: „Was steht ihr da und glotzt zum Himmel?“ Soll heißen: Das hier ist kein Schauspiel, in dem es um eine Sensation geht. Das hier ist keine Sache, die um ihrer selbst will geschehen ist. Und ihr sollt hier auf dem Berge keine Wurzeln schlagen – sondern ihr habt eine Aufgabe bekommen. Ab mit euch – nach Jerusalem, und wartet auf den, den der Herr schicken wird! Es ist nicht die Zeit zum Staunen, sondern ihr habt eine Aufgabe bekommen. Und die sollt ihr erfüllen – denn: Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen! – Soll heißen: Die Zwischenzeit ist keine Zeit zum Ausruhen, sondern eine Zeit der Arbeit. Sie wird in Kürze auf euch zukommen, also los: ab mit euch und tut, was der Herr euch gesagt hat!

Ist so eine etwas unfreundliche Aufforderung nötig? Stehen wir nicht immer wieder mal in einer Situation, wo wir genau wissen: Eigentlich sollte ich jetzt dies oder das tun? Aber es fehlt der letzte Antrieb dazu. Da muss dann noch jemand kommen und uns Beine machen! Und so dafür sorgen, dass wirklich etwas in Gang kommt. So wie bei den Jüngern am Himmelfahrtstag durch die beiden Männer in weißen Gewändern. Amen.

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