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Kurzpredigt zum Sonntag Exaudi, 24.5.2020

29. Mai 2020 • Marlies

Johannes 15,26-16,1

Jesus spricht zu seinen Jüngern: Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.

Liebe Schwestern und Brüder,

Warten ist das Thema dieses Sonntages. Und in diesem Jahr haben wir mit diesem Thema Warten ausführlich Bekanntschaft gemacht. Wir haben gewartet, dass es wieder möglich werde, Gottesdienste in der Kirche zu halten. Wir haben gewartet, dass es wieder möglich werde, Gemeindeglieder im Heim zu besuchen. Und dass wir wieder einander besuchen können, auch über den unmittelbaren Rahmen der eigenen Familie hinaus. Meine Frau wartet nach wie vor auf die Möglichkeit beim Bürgeramt einen Termin machen zu können: Sie braucht einen neuen Personalausweis. Die Kinder warten, dass sie wieder in die KiTa oder in die Schule dürfen. Die Eltern warten, dass endlich wieder normale Zeiten eintreten, wo nicht Home-Office am PC, Familie und Kinder-Schulunterricht zuhause zugleich stattfinden müssen, sondern alles wieder seinen alten, normalen Gang nimmt. Und manches mehr wäre noch zu nennen. Wie schön war es doch vor Corona.

Am Himmelfahrtstag haben die Jünger von ihrem Herrn Abschied nehmen müssen. Und etwas barsch haben sie die Aufforderung erhalten, nach Jerusalem zu gehen und dort zu warten. Es soll etwas geschehen, etwas, das von Gott seinen Ausgangspunkt nimmt und von Gott selbst gesandt wird. Der Tröster soll kommen. Der Tröster? Andere Übersetzungen nennen ihn „Fürsprecher“ oder „Beistand“.  Jesus selbst spricht davon, dass der Vater den Tröster, den heiligen Geist, senden wird in seinem Namen. Und Jesus sagt auch, was dessen Aufgabe sein wird: „Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Jesu Unterricht bei seinen Schülern, den Jüngern, wir also durch eine Art Fernunterricht ergänzt werden. Jesus, der Lehrer, der Rabbi, ist nicht mehr da. Also: Home-Office in Jerusalem, beim Warten?

Er wird nichts Neues lehren, der Tröster, sondern das, was Jesus ihnen schon gesagt hat. Das Erinnern wird kommen. Was wann und wo geschehen ist. Wer beteiligt war. Was der Herr Jesus getan hat, was er geantwortet hat und wie er mit den Menschen umgegangen ist.

Es lohnt, das Wort Trost oder Tröster genauer unter die Lupe zu nehmen. Trost, – was ist das? Zunächst sind wir uns einig: es ist etwas Gutes. Zugrunde liegt die Wortwurzel „treu“. Es steht das Gewinnen innerer Festigkeit  da. Es ist die Vergewisserung, dass das, was geschehen, gesagt und gelehrt wurde, nach wie vor Gültigkeit hat. Die Jünger sollen stark und fest werden in dem, was sie künftig tun sollen. Dazu ist ihnen der Tröster verheißen, der Beistand und Fürsprecher, kurz der Hl. Geist Gottes, den Jesus schicken will.

Und darauf sollen sie warten. Alle miteinander. „Ihr seid meine Zeugen“, sagt Jesus, „denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen“. Und: ihr werdet diese Stärke und Festigkeit brauchen. Denn viele werden gegen euch sein. So wie sie gegen Jesus selbst waren. Und wehe dem, der nicht fest gegründet ist beim Herrn Jesus und seinem Auftrag. Wenn die Schwierigkeiten und Anfeindungen auftauchen. Wenn Menschen sich gegen sie zusammenrotten. Und wenn es darauf ankommt, dass alle zusammenhalten. Dass es nicht so geht, wie damals bei der Festnahme Jesu: dass sich die Jünger in alle Winde zerstreuen. Dass da geleugnet wird, bevor die Hähne krähen.

Jetzt nach Ostern und nach Himmelfahrt kommen andere Zeiten mit anderen Herausforderungen. Da braucht es die Kraft des Herrn und den Beistand, den Tröster und den Geist Gottes. Ohne ihn wird nichts gehen.

So ist die Kirche, die später entstehen wird, eine gefestigte Größe, etwas, was auf den Herrn selbst gegründet ist und nicht auf Menschenwerk. Die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. So hat der Herr versprochen.

Warten also ist angesagt. 40 Tage waren es von Ostern bis Himmelfahrt und weitere 10 Tage sind es, bis es zum 50er Ereignis kommt. Zum 50er Fest, Pentecoste, wie die Englisch sprechenden Leute sagen, direkt aus dem Griechischen importiert. Und so wird aus diesem 50er Fest, dem Pentecoste, das Pfingstfest werden, das von daher seinen Namen hat.

Warten also auf andere, bessere, normale Zeiten? Nein, warten auf den Geist Gottes, den Tröster, der an alles erinnern wird. An das, was der Herr Jesus Christus will und getan hat. Amen.

Categories: Allgemein, ANgeDACHT