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Das ökumenische Glaubensbekenntnis

6. Oktober 2016 • Simon

Nach dem Gottesdienst am 4.9.2016 trafen sich etwa 15 Gemeindeglieder zu der von der Gemeindeversammlung erbetenen Info-Veranstaltung zum Thema „Ökumenische Fassung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses“.

Das Bekenntnis ist ursprünglich in lateinischer Sprache abgefasst und stammt etwa aus dem Jahr 350. Martin Luther hat es ins Deut¬sche gebracht und versucht, die lateinischen Begriffe bestmöglich zu übersetzen und dabei auch den biblischen Hintergrund im Auge zu behalten. Dennoch gilt: Sprache verändert sich, manche Begriffe sind belastet und heute nur mit Erklärung zu verstehen.

So hat 1971 eine Kommission aus evangelischen und katholischen Theologen die gewohnte Fassung sprachlich überarbeitet.

Es gibt Änderungen von unterschiedlicher Tragweite. Zunächst sind da sprachliche Anpassungen: Die Einfügung eines Kommas im ersten Satz: „Ich glaube an Gott, den Vater …“. Das verschiebt zwar Betonungen, bringt aber keine theologische Änderung. Ebenso ist es bei „er sitzt zur Rechten Gottes“, „von dort wird er kommen zu richten die Lebenden …“ und „eine heilige christliche Kirche“.

Aber auch deutlichere Änderungen sind da: „empfangen durch den Heiligen Geist“ und, worüber sich eine breite Diskussion entspann: nicht mehr „niederge¬fah¬ren zur Hölle“, sondern „hinab¬ge¬stie¬gen in das Reich des Todes“. Viele Menschen verbinden mit „Hölle“ mittelalterliche Vorstellungen, die aber keine trag¬fähige biblische Grundlage haben. Andererseits ist „Reich des Todes“ auch kein glücklicher Übersetzungsversuch, erinnert er doch an altgriechisch-mytholo¬gi¬sche Vorstellungen vom Hades.

In der neuen Formulierung „auf¬ge¬fahren in den Himmel“ sahen die Diskussionsteilnehmer lediglich eine sprachliche Glättung, man muss diese Worte nicht zwangsläufig mit reformiertem Himmelfahrtverständnis füllen.
Hieß es im alten Text noch „Aufer¬stehung des Fleisches“, so lautet die neue Lesart „Auferstehung der Toten“. Daran entzündeten sich längere Debatten, denn hier ging es „ans Eingemachte“. Im lateinischen Text steht wörtlich „Fleisch“; das allerdings bedarf einer guten Erklärung, um nicht falsch verstanden zu werden. Auch die neue Übersetzung schließt die leibliche Auferstehung nicht aus. Wie wir dann aussehen werden – das dürfen und müssen wir Gott überlassen.

Im 3. Artikel heißt es „Gemein¬schaft der Heiligen“ statt „Ge¬mein¬de der Heiligen“, dieser Ausdruck wurde als umfassender empfunden, man hat Gemeinschaft mit den Christen aller Zeiten und Regionen, nicht nur der eigenen Gemeinde. In dem lateinischen Text verbirgt sich allerdings noch viel mehr: „Communio sanctorum“ meint auch die „Gemein¬schaft an den heiligen Dingen“, also an den Sakramenten.

Der Versuch, einen gemeinsamen Text für evangelische und römisch-katholische Christen zu schaffen, scheiterte an der Stelle: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche“ (so der lateinische Text) – die Evangelischen sind bei „heilige christliche Kirche“ geblieben, weil landläufig „katho¬lisch“ (allum¬fassend) mit „römisch-katholisch“ gleichgesetzt wird.

Fazit: Man kann beide Versionen im Grunde nur verstehen, wenn man den biblischen Hintergrund kennt und ihn recht einzuordnen weiß. Selbsterklärend sind beide Fassungen nicht.

Ein abgefragtes Meinungsbild ergab, dass sich alle Teilnehmer die Verwendung des revidierten Textes im Gottesdienst vorstellen könnten.

Ein Probelauf soll nach Beschluss des Kirchenvorstandes im November sein, sowie ca. 4 Wochen vor der nächsten Gemeindeversammlung. Erst diese entscheidet; bis dahin ist Zeit, zu diskutieren und Erfahrungen zu sammeln nach dem Motto: Prüfet alles und das Gute behaltet.
Wer sich mit diesem Thema noch näher befassen möchte, findet dazu Material auf dem Büchertisch.

(M. Hanna, U.+P. Brückmann)

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