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ANgeDACHT Februar-März 2020

23. Januar 2020 • Marlies

Monatsspruch Februar

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.

1. Kor. 7,23

Sklavenmärkte sind uns heute fremd. Zwar gibt es immer noch so etwas wie Menschenhandel, sogar in Deutschland, aber der Normalfall ist das nicht. Zur Zeit des Paulus ist das anders. Da wusste man genau, wer da ein Freier und wer da ein „Knecht“ war, also ein Sklave. Menschen wurden als Ware gehandelt, verkauft, gekauft und in Besitz genommen. Man war abhängig von seinem Besitzer, von seinem guten Willen. Großzügige Herren schenkten ihren Sklaven nach einer gewissen Dienstzeit die Freiheit. Aber der Regelfall war das nicht. Wer aber in Freiheit kam, für den begann ein neues Leben.

Christen waren solche Befreiten, Freigekaufte. Nicht, dass sie plötzlich keine Dienstherrschaft mehr hatten, sondern sie gelangten in ganz anderer Weise in Freiheit. War das alte Leben durch Gebote und Reglementierungen bestimmt, so war das neue durch die christliche Freiheit bestimmt. Wer Christ war, wer getauft wurde auf den Herrn Jesus Christus, der war jetzt ein von ihm „Freigekaufter“. Es galt für ihn nicht mehr das alte Gesetz, die alten Bestimmungen waren abgeschafft. „Christus war des Gesetzes Ende“.

Freiheit war angesagt. Wie aber ist diese plötzliche Freiheit umzusetzen?

Gerade in der Gemeinde Korinth fehlte plötzlich die Orientierung. Konnte jetzt jeder tun, was er wollte? Die weggefallenen Grenzen schienen dies nahezulegen. Kopfschüttelnd lesen wir in den Korintherbriefen, was den Menschen plötzlich alles möglich schien. Immer dann, wenn bislang geltende Einschränkungen wegfallen, wird es unübersichtlich und schwierig. Paulus hat Mühe klarzustellen, was die neu erlangte Freiheit bedeutet.

Auch in der Reformationszeit das gleiche Bild. Die neue Lehre, dass alle Menschen gleich seien vor Gott, zog schwere Folgen nach sich. Man wollte die Freiheit in die Tat und in den Alltag umsetzen. Blutige Aufstände waren die Folge.

Wie aber ist nun die Freiheit zu verstehen, wie ist sie umzusetzen? Paulus muss die Gemeinde nachdrücklich daran erinnern, dass es dennoch Regeln unter den Gemeindegliedern gibt. Diese Regeln werden durch die Nächstenliebe gesetzt. Sie werden dadurch ihrer Starrheit und Unbeweglichkeit enthoben. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, das ist nun der neue Maßstab. Aber wie setzt man diesen um?

Was geht als Christ, was geht nicht? Diese Frage taucht immer in praktischen Erwägungen auf. Darf ein Christ Soldat werden? Darf ich als Christ im Flugzeug in den Urlaub fliegen, trotz Umweltproblematik? Muss ich Kernkraft-Gegner sein? Darf ich Kleidung aus Billiglohn-Ländern kaufen?

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Aber was geschieht hier eigentlich, ganz grundsätzlich gesehen? – Man läuft Gefahr, wieder „Knecht“ zu werden. Wenn ich als Christ etwas tun „muss“, dann bedeutet dies: Tue ich es nicht, dann falle ich aus dem „Christ-Sein“ heraus. Dann bin ich plötzlich wieder von neuen Geboten und plötzlich auftauchenden Erwartungen abhängig. Meine durch Christus geschenkte Freiheit wird durch eine neue, vielleicht sogar hausgemachte Sklaverei ersetzt.

So gibt es nun kein „Muss“ mehr. Ich bin frei, dies alles zu tun oder es zu lassen. Ich muss es vor mir selbst, vor meinem eigenen Gewissen und vor meinen Mitmenschen verantworten. Aber ich werde es immer tun unter der Überschrift: Ich bin ein Sünder und ich bleibe ein Sünder. Und genau als ein solcher Sünder bin ich von Christus erlöst, freigekauft. Ich kann mich so oder so in Einzelfragen entscheiden. Ich bin frei, ich bin kein Knecht, auch kein Knecht der gerade gängigen Meinungen anderer Menschen.

Ihr

Peter Brückmann, Pfr.

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