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ANgeDACHT August/September 2019

8. August 2019 • Simon

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Matthäus 16,26

Ist so etwas einsehbar? Schaden an seiner Seele zu nehmen? Mir kommen da gleich ein halbes Dutzend Menschen in den Blick. Schauspieler, Musiker aus der modernen Szene und andere, die ihre Karriere ganz obenan stellen: Irgendwann verkraftet man den Erfolg und seinen Einsatz nicht mehr, gleitet ab in Alkohol, Drogen und Tablettensucht. Bei Vielen das gleiche Bild. Schaden genommen an der Seele, im Streben nach Ruhm, Geld und Ehre.

So ganz zum Sommer scheinen diese Gedanken und dieser Bibelspruch nicht zu passen. Der Sommer ist Urlaubszeit, Zeit zur Erholung, Zeit auch für die Seele, für unser Innerstes, für uns selbst. Die Kirchen an den Urlaubs- und Ferienorten haben Zulauf in dieser Zeit. Man merkt: es tut gut, auch wieder an den Gottesdienst zu denken, an die Notwendigkeit auch für sich selbst etwas zu tun, wenn auch in fremder Gegend, einer Gegend, einer fremden Kirche mit einem unbekannten Pfarrer und einer oft aus Urlaubern zusammengewürfelten Gemeinde von Gleichgesinnten. Manche Ruheständler unter den Pfarrern tun gerne Dienst an diesen Orten, bieten gerne Gottesdienste an für erholungssuchende Menschen. Und sie entlasten den Ortspfarrer auf diese Weise. Und das ist gut so.

Jesus selbst hat aber nicht die Erholung der Seele von Stress und Arbeit im Sinn. Zwei Verse zuvor fährt er seinen Jünger Petrus an: „Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis…!“ – Was war geschehen? Jesus hatte seinen Jüngern gerade gezeigt, wie sein Weg enden würde. Er wird „von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten getötet werden…“. Also nichts wird es da mit Karriere, großem Ansehen, Macht und Ehre. Petrus ist enttäuscht und hält seinem Herrn eine heftige Standpauke: Alles, nur nicht das! Denk an uns, denk an deine Fans, deine Jünger, die sich große Dinge von dir erhoffen. Wir erwarten von dir ein hübsches Pöstchen, wo auch immer! Und jetzt kommst du mit so etwas! Du spinnst, lieber Jesus!

Jesus entgegnet, dass er seinen Jünger von der menschlichen Seite her voll verstehen kann. Aber sein Ziel ist sein göttlicher Auftrag und der steht weit über allem. „Satan“, nennt Jesus seinen eigenen Jünger, gerade deshalb. Wer ihn von seinem Auftrag wegbringen will, der kann nur vom Satan gesteuert sein.

„Wat geiht mi dat an?“, so fragt jemand in fremder Mundart. Viel, ist die Antwort. Nachfolge Jesu heißt durchaus auch Verzicht, Rücksichtnahme, Zurückstecken für den Glauben an den Herrn Christus. Das hören wir nicht gern. Wir hätten es gern anders. Aber oft genug werden wir vor Wege gestellt, die da lauten: Der Herr oder mein Ego. Jesus und sein Auftrag an mich oder die angenehme Chance auf…

Gerade habe ich einen Bericht aus Steglitz gelesen, wo viele Asylbewerber warten auf die Entscheidung des Bundesamtes. Nahezu 100% werden abgelehnt, sollen gehen in ihr Heimatland, wo ihnen schon am Flughafen Verhaftung und hernach weit Schlimmeres droht. Sie bekommen im Taufunterricht deutlich gesagt: Wenn ihr euch als Christen bekennt, sinken eure Chancen auf Anerkennung auf Null! Euch wird Heuchelei unterstellt, dem Pastor Lügen auf breiter Front. Es ist dem Bundesamt kein Argument zu dumm, als dass es nicht zur Abschiebung dienen könnte. Man will euch nicht, Menschen- und Asylrecht hin oder her.

Sie bleiben trotzdem, nehmen alles in Kauf, nur um bei Christus bleiben zu können. Und nicht alle überleben die Abschiebung in ihre Heimat.
Uns dienen sie zur Mahnung, diese Menschen. Nicht nur, was diesen Staat und seine Führungsleute angeht. Sondern auch uns, die wir unsern Glauben oft so leicht und kostenfrei nehmen, dass es schon beinahe langweilig wird. Wie ginge es uns wohl in einer vergleichbaren Situation? – Wie aktuell, diese Worte Jesu. Ich traue mich kaum, sie für mich selbst wirklich durchzubuchstabieren. Ernsthaft durchzubuchstabieren. Wie dankbar kann ich sein, wenn mir Haft und Folter erspart bleiben. Wie sehr mahnt es mich zum Gebet für diese Menschen und fast noch mehr für unsern Staat. Armes Deutschland! Herr, erbarme dich! Amen.

Ihr
Peter Brückmann, Pfr.

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