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ANgeDACHT April 2017

21. März 2017 • Marlies

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr. (Mose 19,32)

Wann ist der Mensch alt? Das kommt darauf an – so die Erfahrung. Wenn ein 10-Jähriger gefragt wird, dann ist jemand mit 20 Jahren schon mächtig alt. Auch erinnere ich mich an eine 96-jährige Dame, die ihre beiden Töchter herumscheuchte, mit dem Hinweis: Ihr seid ja noch jung! Beide Töchter waren aber auch schon Mitte bis Ende 70. – Wann also ist man alt? Die Frage bleibt zunächst offen.

An eine andere Begegnung erinnere ich mich sehr genau. Es war in der U-Bahn. Ich war eingestiegen. Alle Plätze waren besetzt, wie so oft. Da stand plötzlich eine junge Frau in meiner Nähe auf, so Anfang 20, und bot mir ihren Sitzplatz an. Ich war verblüfft. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Mir bot jemand seinen Sitzplatz an! Bin ich schon so alt, dass andere auf die Idee kommen, so zu handeln? – Ich wähnte mich mit Ende 50 eigentlich noch recht fit! Nun ja, die grauen Haare …

Graue Haare sind durchaus ein Thema. Mit Entsetzen teilte mir unlängst unsere zweite Tochter mit, sie habe unlängst ein graues Haar bei sich gefunden. Und bei näherem Betrachten sogar noch weitere! – Ich konnte sie „beruhigen“, dieser Trend halte sicher noch weiter an …

Ja, Älterwerden lässt sich kaum aufhalten, es offenbaren sich irgendwann eindeutige Spuren. Das kann man bedauern, besser ist es, dies anzunehmen. Nichts ist schlimmer, als wenn sich Leute mit 75 gebärden und kleiden, als wären sie immer noch 25.

Ein besonderes Augenmerk des Herrn gilt den alten Menschen. Das bleibt festzustellen. Ja, er weist ihnen eine besondere Würde zu. Er stellt sie unter seinen besonderen Schutz. Nicht nur die Ergrauten, auch die Hilfsbedürftigen, letztlich auch die Pflegebedürftigen, die in hohem Maße auf die Hilfe ihrer Umgebung angewiesen sind. Wir Christen wissen etwas von der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Und diese hört nicht mit 40 Jahren auf, sondern gilt, solange wir als Geschöpfe des Herrn leben. Selbst ein Gebot hat er eigens für die geschrieben, die mit den Eltern umgehen müssen. Dass dies nicht immer unproblematisch ist, zeigt allein schon das Vorhandensein des vierten Gebotes. Wie gut, wenn Menschen in höherem Alter auch Rat und Hilfe von den Kindern annehmen, wenn sie gelernt haben, dass Verantwortung irgendwann übergeht auf die Jungen.

Ja, Gott steht dahinter, hinter diesem Wort, hinter dieser Aufforderung, aufzustehen und die Alten zu ehren. Da ist nichts Ehrenrühriges dabei. Daran müssen sich die einen gewöhnen wie auch die anderen. Auch wenn man verblüfft ist, wenn man in der U-Bahn plötzlich und unerwartet einen Platz angeboten bekommt. Mein Rat: Deutlich „Danke“ sagen und den Platz annehmen. Man hat dann einen Menschen getroffen, der etwas weiß vom Willen Gottes.

Ihr
Peter Brückmann, Pfr.

 

 

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