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Andacht Dezember 2019

26. Dezember 2019 • Marlies

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

Jesaja 50,10

Leichter gesagt als getan. Im Dunkeln zu leben, das heißt schon was. Das erleben Menschen, Mitschwestern und Mitbrüder, wenn sie unverhofft vor Tatsachen stehen, die das Leben gründlich aufmischen. Da ist dann nichts mehr so, wie es vor einigen Tagen noch war. Wie sagt es doch das geflügelte Wort: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo …“ Manchmal aber kommt nicht „von irgendwo ein Lichtlein her“. Krankheit, Unfall oder Todesfall können das Dunkel so richtig schwarz machen und jedes Licht aussperren.

Ich erinnere mich an eine Jugendfreizeit. Das Thema lautete: „Leben im Licht“. Ich habe mich dann für ein Experiment zur Verfügung gestellt. Normalerweise haben wir über unsere Augen  immer einen Lichteindruck. Hier in Berlin auch nachts. Um wirklich alles Licht auszusperren, wurde eine Gipsmaske gemacht. Zuerst das Gesicht mit einer dicken Schicht Fettcreme eingecremt – man wollte die Gipsmaske schließlich irgendwann wieder abnehmen können. Nach dem Auftragen der Creme wurden dann Gipsbinden eingeweicht in Wasser, wie für einen Gipsverband. Dann wurden  drei Finger breite Stücke geschnitten und in vielen Schichten übers komplette Gesicht verteilt. Vom Haaransatz bis hinunter übers Kinn und von Ohr zu Ohr. Nur die Nasenlöcher blieben frei, man musste schließlich atmen können. Spätestens nach Schicht zwei wurde es dunkel, bei Schicht Nr. 5 war alles Licht weg. Auch in praller Sonne absolut kein Lichtschimmer, nichts. Nur noch rabenschwarze Dunkelheit. Eine völlig neue Erfahrung. Keine Orientierung war mehr möglich, angewiesen war ich auf die Hilfe der anderen, die mich wie einen Blinden, zumal einen unerfahrenen Blinden, führen mussten.

Nun, das mag ein hübsches Spiel gewesen sein. Nach dem etwas schwierigen Abnehmen der Gipsmaske unter Verlust einiger Augenbrauen- und Wimpernhärchen war wieder alles normal.

Was ist geblieben von dieser Erfahrung? Es ist das Angewiesensein auf Hilfe. Dass ich geführt werden musste, entweder durch Worte oder direkt an der Hand. Ich war selbst zu nichts mehr in der Lage.

So stelle ich mir das Fehlen des Lichtes vor, von dem Jesaja hier spricht. Natürlich ist es übertragen gemeint; schlimme Erfahrungen macht das Volk seiner Zeit, man hat keine Zukunftshoffnung mehr, sieht absolut kein Licht am Ende des Tunnels. Was ist der Rat Jesajas? „Vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse dich auf Gott“. Sich bei der Hand nehmen zu lassen in dunklen Zeiten und auf den Herrn und seine Zusagen zu vertrauen, dazu macht Jesaja Mut.

Auch heute gilt dies Wort für uns, besonders, wenn es „dunkel“ geworden ist. Und wenn wir in diesem Jahr wieder Adventslichter anzünden, dann sollen sie es uns hell machen und führen zum Mensch gewordenen Herrn in der Krippe von Bethlehem. Zu dem Wunder, das Gott für uns in diese dunkle Welt geschickt hat.

Ihr

Peter Brückmann, Pfr.

Categories: ANgeDACHT